Verkaufsraumtraum

Als ich den Laden zum ersten Mal betrat, war ich gleich hin und weg. Die Atmosphäre war nicht einfach nur angenehm, sondern geradezu überwältigend schön. Ein wunderbar warmer Geruch von frischem Eichenholz lag in der Luft und ich bin fast sicher, dass ich vor Freude gluckste. Die Auswahl war unglaublich. Es gab einfach alles. Vom frischen Obst in allen Formen und Farben über Kaffee, Tee, Torten, Gebäck und Brötchen bis hin zu duftender französischer Seife. Dabei war der Verkaufsraum nicht wirklich groß. Es gab Platz für genau einen Einkaufswagen. Dafür konnte man sich aber das einzige Einkaufsnetz ausleihen, das direkt neben der vollautomatischen Kasse bereit lag. Aber der Laden musste nicht gross sein, um jeden Tag direkt nach dem Frühstück seine magische Anziehungskraft auf mich auszuüben. Hingebungsvoll sorgte ich dafür, dass alles immer an seinem Platz war. Wenn Lücken entstanden, nahm ich manchmal sogar die gerade verkauften Waren einfach wieder aus dem Wagen oder dem Netz und stellte sie sorgfältig zurück ins Regal. Die Kunden schien das nicht weiter zu irritieren. Offensichtlich liebten sie den liebevoll sortierten Laden genau wie ich. Sie kamen trotzdem immer wieder.

Der Zauber hielt etwa eine Woche. Dann verschenkte ich mein Herz an eine runde Küche. Die war zwar aus Plastik, hatte dafür auf beiden Seiten Ofenklappen. Ich vermute, der Laden steht noch irgendwo im Keller und hütet sein Geheimnis, wieso die Fischstäbchen in der Blechdose nie gekühlt werden mussten.

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